Logbuch Suhrkamp

Das Online-Magazin vom Suhrkamp Verlag
© Martina Wunderer
Buch Wien 13

Erster Tag: Freitag. Ich bin spät dran. Zwar sind die Wege kurz in Wien, doch das Messegelände ist groß, und ich bin am falschen Ende ausgestiegen, U 2 Station Messe-Prater statt Krieau. Ich betrete die gläserne Halle, vor der junge Hostessen Mannerschnitten verteilen.

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täglich ein stück weiter, 24.11.13

schlechte nachrichten für zeitgenössische theaterautorinnen und -autoren: der berliner stückemarkt ist geschichte.

Binsen in einer Schlenke
Moortagebuch 3

Es regnet in Strömen. Tief hängen die Wolken über den Feldern des oberfränkischen Dorfs bei Bamberg, wo mich das Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks abholt, für einen Gang durchs Moor.

Ruse 1, © Anna Weidenholzer
Lesen fahren

No problem, sagt M., während wir im Auto darauf warten, dass der Polizist zurückkommt, der ihm vor zehn Minuten die Papiere abgenommen hat. Wir parken auf einer stark befahrenen Straße in Bukarest …

© Jürgen Bauer
Georg-Büchner-Preis für Sibylle Lewitscharoff

Der Anfang ist traditionell schwierig. Von der Tiefgarage, bedrückend wie jede Tiefgarage, führt ein abblätterndes rotes Farbband, breit auf den Boden gepinselt, bis zum Treppenaufgang ins Foyer des Darmstädter Staatstheaters: Beton, Beton, Beton.

Herbstliche Eberesche im Hohen Venn
Moortagebuch 2

Kein Monat macht mich unruhiger als der endlos scheinende Juli, dem ein zweiter 31-Tage-Monat aus zu viel Licht und wenig Nacht folgt.

George Saunders
Marion Poschmann schwärmt von George Saunders

Als ich im Winter mit einem Stipendium des Deutschen Literaturfonds in New York war, habe ich George Saunders entdeckt. In den Zeitungen wurde er als eines der großen Genies der amerikanischen Literatur gerühmt; in Deutschland hat kaum jemand von ihm gehört, vielleicht, weil er keine Romane, sondern Erzählungen schreibt. Das erste Buch habe ich aufgrund des Covers gekauft: ein ausgestopfter Hirsch aus dem Naturkundemuseum, unterlegt mit einem Prägemuster aus kitschigen Glitzersternchen. Ein unmögliches Cover also, und genauso sind die Geschichten, schrill, kontrastreich, cool und herzergreifend.

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Walfischbecken

Tilman Rammstedt (Gewinner des Wettbewerbs 2001, Juror 2011) über seine Verwunderung beim diesjährigen Open Mike in Berlin

Foto
täglich ein stück weiter, 11.11.13

stille als letze mission. in der katholischen enklave st. gallen im osten der schweiz übt sich die kirche in moderner unternehmenskommunikation und weltanschaulicher zurückhaltung (die tür auf dem foto ist abgeschlossen).

kuhlbrodt_januar07_1
Umsonst & draußen: Januar 07

Eigentlich war ich vom Internet abgeschnitten. Aber wenn ich auf den Balkon
ging und den Laptop in die Luft hielt, hatte ich manchmal eine Verbindung.

Brennender_Baum
Moortagebuch 1

Anderswo, in den Wäldern, beginnt der Herbst mit den Farben des Feuers. Die fünfte Jahreszeit, Brandstifterin im letzten Aufflackern des Sommers (32 Grad bei meiner Premierenlesung in Köln am 5.9.2013), zündelt im Laub:

rosa kacheln
Über Schönheit

Schönheit ist keine Kategorie mehr, die auf einen Roman der Gegenwart Anwendung fände. Man bemerkt und lobt eine gewisse Kunstfertigkeit, einen lakonischen Ton oder inhaltliche Relevanz, aber die Schönheit steht generell unter Kitschverdacht. Einen Roman etwa »einfach schön« zu nennen, gehört zum Schlimmsten, was man über ihn sagen kann.

Kreuzung West Broadway und Broome Street, New York City, 1985. © Ulf Erdmann Ziegler
Musik und Roman: Linien ohne Noten

Kreuzung West Broadway und Broome Street, New York City, 1985. © Ulf Erdmann Ziegler Vom Rücksitz eines riesigen Automobils, das vom amerikanischen Westen nach New York unterwegs ist bei Nacht: »Hans sah die großen, leuchtenden Signale der Tankstellen und Motels wegkippen in einen schwarzen Himmel, eine nicht enden wollende Parade des Abschieds, die hinter den…

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täglich ein stück weiter, 17.10.13

endlich ist unser dasein. es hilft ja alles nichts. hier und da streckt sich die zeit ein wenig und hüllt uns, ungnädig wie eine alte krankenschwester, in die illusion einer verweilmöglichkeit.