Logbuch Suhrkamp

Das Online-Magazin vom Suhrkamp Verlag
täglich ein stück weiter, 7.12.13

perlen des deutschen theaterwesens, folge 1: der premierenfeier-dj. wir alle kennen ihn. meistens harrt er in einer nische des garderobenfoyers oder der theaterkantine seines einsatzes, einsam und vergeistigt wie der paukist der berliner symphoniker. der premierenfeier-dj ist für tanzbare musik nach einer theaterpremiere zuständig. das ist ein posten mit verantwortung. entsprechend anspruchsvoll ist die ausbildung.

Hohes Venn-Gunther Geltinger
Moortagebuch 5

Hohes Venn, 23.11.2013, Fotos von Gunther Geltinger

Umsonst & draußen: Mai 07

Es war vormittags. Nach vier Tagen war die Grateful Dead-Datei endlich vollständig geladen. Endlich hatte ich das fast vierstündige Konzert, dass ich 1981 Ende März im Fernsehen nur teilweise gesehen hatte. Wir waren komplett dicht gewesen und ich war dann eingeschlafen, als die Gaukler kamen. Ich hatte es unbedingt noch einmal sehen wollen auch weil ich mir überlegt hatte, einen Roman zu schreiben, in dem der 28.3.81 eine wichtige Rolle spielen sollte. Eines von angedachten drei Kapitelns sollte am 28.3.81 spielen.

Zur Räumlichkeit des Romans

Der Roman kann so gut wie alles sein. Der Roman kann ein Adventskalender sein. Er zeigt ein Bild, und in diesem Bild öffnen sich an unerwarteten, auch unvorhergesehenen Stellen Türen – wenn das Ausgangsbild eine Winterlandschaft ist mit Fichten, Kindern auf Schlitten und Rehen, öffnet sich beispielsweise ein Türchen im Schnee und mag etwas zeigen, was auch »realerweise« dahinter verborgen sein könnte – ein kleines Tier in der Erde eingegraben, in seinem Bau, im Winterschlaf. Oder es zeigen sich die irrealen Dinge, Weihnachtswünsche, Sterne, Spielzeuge, Engel hinter sich öffnenden Wolken – Symbole, die zu wünschen vorgegeben waren und die auf ganz andere Wünsche verwiesen, den nach Schutz, nach Geborgenheit, nach Frieden, nach Schönheit.

Grenzgang als Film

Die häufigste Frage, die mir bezüglich der Verfilmung meines Grenzgang gestellt wird, lautet, ob es mir schwer gefallen sei, den Stoff fremden Händen zu überlassen. Nein, ist es nicht.

Moortagebuch 4

Das Moor, wie wir es zu kennen glauben, gibt es nicht – oder nicht mehr.

Buch Wien 13

Erster Tag: Freitag. Ich bin spät dran. Zwar sind die Wege kurz in Wien, doch das Messegelände ist groß, und ich bin am falschen Ende ausgestiegen, U 2 Station Messe-Prater statt Krieau. Ich betrete die gläserne Halle, vor der junge Hostessen Mannerschnitten verteilen.

CC0 Public Domain
täglich ein stück weiter, 24.11.13

schlechte nachrichten für zeitgenössische theaterautorinnen und -autoren: der berliner stückemarkt ist geschichte.

Moortagebuch 3

Es regnet in Strömen. Tief hängen die Wolken über den Feldern des oberfränkischen Dorfs bei Bamberg, wo mich das Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks abholt, für einen Gang durchs Moor.

Lesen fahren

No problem, sagt M., während wir im Auto darauf warten, dass der Polizist zurückkommt, der ihm vor zehn Minuten die Papiere abgenommen hat. Wir parken auf einer stark befahrenen Straße in Bukarest …

Georg-Büchner-Preis für Sibylle Lewitscharoff

Der Anfang ist traditionell schwierig. Von der Tiefgarage, bedrückend wie jede Tiefgarage, führt ein abblätterndes rotes Farbband, breit auf den Boden gepinselt, bis zum Treppenaufgang ins Foyer des Darmstädter Staatstheaters: Beton, Beton, Beton.

Moortagebuch 2

Kein Monat macht mich unruhiger als der endlos scheinende Juli, dem ein zweiter 31-Tage-Monat aus zu viel Licht und wenig Nacht folgt.

Marion Poschmann schwärmt von George Saunders

Als ich im Winter mit einem Stipendium des Deutschen Literaturfonds in New York war, habe ich George Saunders entdeckt. In den Zeitungen wurde er als eines der großen Genies der amerikanischen Literatur gerühmt; in Deutschland hat kaum jemand von ihm gehört, vielleicht, weil er keine Romane, sondern Erzählungen schreibt. Das erste Buch habe ich aufgrund des Covers gekauft: ein ausgestopfter Hirsch aus dem Naturkundemuseum, unterlegt mit einem Prägemuster aus kitschigen Glitzersternchen. Ein unmögliches Cover also, und genauso sind die Geschichten, schrill, kontrastreich, cool und herzergreifend.

Walfischbecken

Tilman Rammstedt (Gewinner des Wettbewerbs 2001, Juror 2011) über seine Verwunderung beim diesjährigen Open Mike in Berlin

täglich ein stück weiter, 11.11.13

stille als letze mission. in der katholischen enklave st. gallen im osten der schweiz übt sich die kirche in moderner unternehmenskommunikation und weltanschaulicher zurückhaltung (die tür auf dem foto ist abgeschlossen).

Umsonst & draußen: Januar 07

Eigentlich war ich vom Internet abgeschnitten. Aber wenn ich auf den Balkon
ging und den Laptop in die Luft hielt, hatte ich manchmal eine Verbindung.